Der Graue

Heute berichte ich von Hardi. Meinem Freund Hardi. Er hat mir beim letzten Besäufnis eine tolle Geschichte erzählt. Das hatte er selbst erlebt.
Er war geschieden nach 17 Jahren, das war Bitter. Aber nun hatte er keine Verpflichtungen mehr, konnte kommen und gehen, wann er wollte und das Geld brauchte er auch nicht mehr zu teilen. Der Hund war an Altersschwäche gestorben. Die Katze wurde vor der Haustür überfahren. Das war sehr tragisch gewesen. Nun, er war jetzt alleine.
Deswegen war er ein bisschen sonderbar geworden.
Hardi wohnt in der Marsch am Deich. Hinter seinem Haus, das hatte
seine Ex ihm gelassen, war eine freie Rasenfläche bis zum Deich. Das Küchenfenster lag nach hinten raus, also Richtung Deich.
Ach, ehe ich es vergesse, Hardi ist 58 Jahre alt und Designer von Beruf.
Es war im Herbst. Die Sonne war fast untergegangen, als Hardi in seiner Küche stand und aus dem Fenster sah. Der Deich lag friedlich da und die ersten Bodennebel entstanden. Plötzlich stand er vor ihm. Ein großer grauer Wolf und er blickte ihn mit intelligenten Augen an.
> Was willst Du denn hier? Hast Du Dich nicht verlaufen? Ein Wolf hier bei uns, das ist neu < sagte er ohne Angst.
Der Wolf konnte natürlich nicht antworten, blickte ihn aber neugierig an. Dann drehte er um und verschwand hinterm Deich. Das war die erste Begegnung mit dem Wolf.
Tage später hörte Hardi das typische Heulen eines Wolfes. Er öffnete das Küchenfenster und sah in seinen Garten. Ja, da stand er wieder, der Graue! So nannte er ihn. Denn der Wolf hatte ein graues Fell und eine weiße Schwanzspitze. Er betrachtete ihn eingehend. Selbst für einen Wolf war der Graue sehr groß. Seine vier Beine endeten in ziemlich große Pranken, mit denen er bestimmt gut springen und schnell laufen konnte. Auf dem Kopf hatte er einen schwarzen Fleck, so ca. 8 – 9 Zentimeter groß, in der beginnenden Dämmerung leuchteten seine Augen hell auf.
Wieder sahen sich die Beiden an, aber dieses Mal warf Hardi ihm ein Stück Fleisch zu. Er hatte vergessen es einzufrieren und nun war es verdorben. > Hier, mein Guter! Lass es Dir schmecken. <
Der Wolf aß mit Appetit. Nieste kurz, drehte sich um und trottete gemächlich von dannen. Als wusste er, dass er nicht verfolgt werden würde.
Dann in der nächsten Vollmondnacht trafen sie sich wieder. Hardi hörte den Grauen laut heulen. Das Heulen kam von der Deichkrone.
Nur dieses Mal wollte er nicht am Fenster stehen, sondern im Garten. Hier wollte er auf ihn warten. Es dauerte auch nicht lange, da kam der Wolf langsam heran geschlichen. Er war sehr misstrauisch und bewegte sich äußerst langsam auf Hardi zu.
> Hallo, Grauer. Wie geht’s? Ich hab’ was für Dich! <
Er hatte wieder Fleisch für ihn parat, was er anbieten wollte. Er warf ihm ein Stück zu. Der Wolf trottete auf das Stück zu und schnüffelte daran. Es war nach seinem Geschmack und er fraß es auf. Wieder schmiss Hardi ein Stück vor seine Pfoten. Auch dieses landete im Magen von dem Grauen. So kamen sie sich langsam näher. Und es stellte sich ein, dass der Graue fast jeden dritten Tag ihn besuchte. Er wurde auch immer zutraulicher und es dauerte nicht lange, da fraß er Hardi aus der Hand.
Manchmal saßen sie nur nebeneinander auf der Terrasse und sahen in die Gegend. Einmal hatte sich der Graue einen Dorn in die Pranke getreten und kam humpelnder Weise zu Hardi. Dieser besah sich die Verletzung und zog den Dorn. Der Wolf nieste und lief ein paar Schritte hin und her. Dann legte er sich zu Hardi an die Seite und döste ein paar Minuten. Dann verschwand er aber wieder. Er war ja ein Einzelgänger!
Eines Abends tobten sie in Hardis Garten. Der Graue gnabbte in die Hand und Hardi schubste ihn um. Dann schob er ihn immer von sich weg. Der Wolf gab knurrende Geräusche von sich. Es bereitete ihn sichtlichen Spaß mit Hardi zu ringen. Sie fielen über einander her und kämpften. Der Wolf war sehr vorsichtig mit seinen Zähnen. Hardi wurde nicht verletzt. Sie spielten ihre Stärke und Schnelligkeit aus.
Dann fiel ein Schuss! Der Wolf schreckte auf und lief davon.
Hardis Nachbar hatte das Spiel für einen Angriff gehalten und geschossen, aber zum Glück nicht getroffen.
Der Graue kam nun nicht mehr. Hardi hörte ihn manchmal auf dem Deich heulen, das war alles. Er wurde nicht mehr von ihm besucht.
Wieder war es für Hardi ziemlich einsam, ohne den Grauen. Sie waren ja gut befreundet gewesen, so wie es Mensch und Tier halt sein konnten.
Durch seinen Frust informierte Hardi sich im Internet über Wölfe. Der Kopf ist relativ groß und die Stirn breit. Die Augen setzten schräg an, die Ohren sind eher kurz. Der Rumpf ist länger und der Brustkorb höher als mein Haushund. Der buschige Schwanz hat etwa ein Drittel der Körperlänge. Sie haben eine Viodrüse an der Schwanzoberseite. Mit Schwanz misst er ca. 120 cm oder länger. Seine Schulterhöhe beträgt bis zu 90 cm. Der Schwanz wird meist waagerecht oder etwas gesenkt getragen. Männchen wiegen bis 67 Kg und Weibchen bis zu 50 Kg.
Die Wölfe leben in Rudeln und haben oft ein Alphapärchen als Anführer. Sie bekommen nur einmal im Jahr Nachwuchs.
Das Wissen holte sich Hardi, denn der Graue könnte ja noch mal wiederkommen. So hoffte er.
>>> Ende <<<
Draußen in der Hudson Bai
Mein Name ist Dustin Le Grand und ich lebe in Kanada. An der Hudson Bai bei Voosonee. Hier habe ich mir ein kleines Holzhaus gebaut. Ich bin aus der Großstadt geflohen und habe mich dann hier niedergelassen. Alleine bin ich nicht, denn Katherine meine Freundin wohnt mit in meinem kleinen Haus. Wir sind seit über einem Jahr zusammen, denken aber noch nicht an Heirat.
Hier haben wir keinen Stress und keine Hektik, sowie in der Großstadt. Ein beschauliches einfachen Leben halt.
Nicht weit vom Haus, so ca. 150 Meter, läuft ein Steg in die Hudson Bai.
Am Ende ist dort eine große Plattform errichtet worden. Als Anlegestelle für Boote und Wasserflugzeuge. Neben der Plattform ragt ein Bootshaus aus dem Wasser. Die Männer, die das Bootshaus nutzen, sind mir ein bisschen unheimlich. Sie sind roh, ungehobelt und manchmal betrunken. Besonders Murphy, das ist ein sehr unangenehmer Geselle. Er ist der Anführer der Klicke. Manchmal, wenn er besonders viel getrunken hat, wird er brutal und will sich mit den Leuten schlagen. Wir gehen ihm dann alle aus dem Weg. Denn wann er zuschlägt, das weiß man nie genau.
Meine Geschichte, die ich Euch erzähle, begann eins schönen Morgens im Mai. Katherine und ich hörten Klänge, die uns irgendwie bekannt vorkamen. Wir lauschten, sie tönten von der Bai herüber. Wir waren neugierig und folgten den Klängen. Wir liefen auf den Steg und horchten wieder. Es war eindeutig. Es war ein Gesang, ein Walgesang. Wir sahen gerade Rücken – und die Hinterflosse untertauchen. Nach kurzer Zeit tauchte ein Orka auf.
Es war noch ein Jungtier. Und zwischen der Rücken und der Schwanzflosse hatte er sich mit einem Fischernetz verstrickt.
Katherine lockte ihn zur Plattform und lenkte ihn ab. Ich nahm mein Taschenmesser und löste das Netz vom Wal. Als das Tier bemerkte, das es wieder frei schwimmen konnte, sprang es hoch aus dem Wasser und ließ sich mit lautem Getöse wieder fallen. Wir wurden Nass auf der Plattform, lachten aber. Sein Kopf tauchte aus den Fluten vor uns auf, er klickerte und bedankte sich so für unsere Hilfe. Dann legte er sich auf den Rücken und schwamm davon. Er winkte uns noch mit seinen Flossen, tauchte unter und war dann verschwunden.
Ein ganzes Stück weiter draußen in der Bai, erschien ein zweiter Orka. Der war um einiges größer, wahrscheinlich das Muttertier, so dachten wir Beide.
Trotz der Entfernung, konnten wir beobachten, wie das Jungtier auf das Andere zu schwamm. Es schwamm auch um das Große herum.
Wir sahen uns an und vermuteten, dass die Beiden miteinander kommunizieren würden. Die Wale schwammen auf uns zu und in sicherer Entfernung, sahen sie zu uns herüber. Dann verschwanden
sie entgültig. Wir sahen sie an diesem Tage nicht wieder.
Der Radiosender ABC – OOO meldete, das eine Gruppe von Walen in die Hudson Bai geschwommen war. Wir sollten keinen Schreck bekommen, wenn plötzlich so ein Säugetier vor uns aus dem Wasser auftauchte. Den Ranger oder der Küstenwache sollten wir informieren, aber sonst nichts weiter unternehmen.
Der nächste Morgen begann nicht gut für mich, denn mir lief Murphy über den Weg. Er stank nach Alkohol und rempelte mich an.
Ich konnte nicht schnell genug reagieren, da hatte ich auch schon einen Faustschlag im Gesicht und ging zu Boden. Knock Out!
Er schleifte mich zum Bootshaus, versetzte mir noch ein paar Schläge und „stellten“ mich vor das Fischernetz, das an der Wand des Hauses hing. Seine Kumpane johlten. Sie verpassten mir noch eine Ohrfeige.
In der Zwischenzeit konnte ich beobachten, wie das Orkajunge vor der Plattform auftauchte. Die Männer erschraken, aber Murphy lief ins Bootshaus und holte eine antiquarische Handharpune der Walfänger hervor. Mir war klar, was er wollte. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und stieß Murphy um. Er richtete sich auf und schlug mich bewusstlos.
Was dann geschah, beobachtete Katherine und erzählte es mir im Hospital. Die Männer hatten mich Krankenhausreif geschlagen. Ich hatte Glück das ich schon früh ohne Bewusstsein war, daher spürte ich die Rippen- und den Nasenbruch nicht.
Wieder nahm Murphy die Harpune und holte aus. Da tauchte der männliche Wal auf. Er war aufgerichtet so groß wie ein mehrstöckiges Haus. Murphy zuckte und warf die Harpune. Er ritzte beim Untertauchen den Rücken des Riesenorkas. Der tauchte in sicherer Entfernung wieder auf, sprang hoch aus dem Wasser und wie eine Flut ergoss sich das Wasser aus der Bai über die Plattform und den Steg. Die Männer und ich wurden an den Strand gespült oder über den Steg geschleudert. Doch Murphy fiel von der Plattform ins Wasser. Man hat nie wieder etwas von ihm gesehen.
Der Ranger, der alles mit angesehen hatte, sammelte mit seinen Leuten die Männer ein. Mich transportierte man ins Hospital.
Katherine lief zum Ranger und erzählte die Vorgeschichte über Murphy und seine Männer.
Tage später gingen wir zum Steg und warteten. Es dauerte nicht lange Da kamen drei Orkas angeschwommen. Sie steckten ihren Kopf aus dem Wasser und klickerten. Katherine, eine Walbiologin und ich. Jedem, der Wale gaben wir frischen Fisch zu Essen. Sie genossen das. Dann stiegen wir auf den Rücken der Säuger, wir trugen alle Neokrenanzüge. Die Wasserfahrt begann. Sanft trugen uns die Wale über das Wasser. Dann wurde getaucht. Ich hielt mich an der großen Rückenflosse fest und schoss mit großer Geschwindigkeit durch die Fluten. Wie eine Achterbahn schoss ich auf und ab durchs Wellental. Wir kreuzten die Wellen. Manchmal konnten wir uns beinahe berühren, so dicht schwammen die Orkas aneinander. Es war ein herrlicher Spaß und ein schönes Erlebnis.

In bestimmten Abständen kamen Forscher, Meeresbiologen, Fotografen und Journalisten, die Bekanntschaft mit den Orkas machen wollten. So konnten die Tiere gut beobachtet und erforscht werden. Viele Fotos und Videoaufzeichnungen wurden aufgenommen.
An der Plattform trafen sich Mensch und Orka. Man redete auf eine besondere Art miteinander. Der Gesang der Wale war wunderschön. Er wurde aufgezeichnet, katalogisiert und archiviert. Über viele Jahre begegneten sich hier die Menschen und Meeressäugetiere. Die Forschung profitierte imenz von diesen Begegnungen.
Hier ein paar Ergebnisse:
Der Orka oder große Schwertwal ist unter dem Namen wie Killerwal oder Mörderwal bekannt. Er gehört zu der Familie der Delfine.
Männliche Orkas werden bis zu 8 m lang, 30 Jahre alt und wiegen ca. 9 Tonnen. Die weiblichen Orkas werden bis zu 6 m lang, 50 Jahre alt und wiegen ca. 6 ½ Tonnen. Sie gehören zu der Gattung der Zahnwale. Die mächtige Finne ( Rückenflosse ) wird bis zu 1,8 m lang. Die Flipper ( Oberkopf und Brustflosse ) sind schwarz, sowie die Flume ( Rücken und Schwanzflosse ) sind ebenfalls schwarz. Kehle und Bauch sind weiß. Der Orca taucht, wie der Delfin bis zu 15 Minuten lang. Und erreicht eine Geschwindigkeit, ebenso wie der Delfin von 55 km/h.
Sie leben normalerweise in Gruppen zusammen. Mindestens 5 Tiere oder mehr. Ihre Jagdmethoden sind teilweise sehr außergewöhnlich.
Als der Klimawandel begann verschwanden die Orkas aus der Hudson Bai. Bisher hat keiner sie wiedergefunden. Man hatte vergessen ihnen einen Peilsender anzulegen. Das hatte man immer vor sich hergeschoben und nun war es zu spät. Und die Schwertwale sind überall auf den Meeren zu finden.
>>> Ende <<<
Speedy

Heute möchte ich Euch die Geschichte von Speedy, dem Eichhörnchen, erzählen.
Speedy ist ca. 12 cm groß ( ohne Schwanz ) und hat ein rotbraunes Fell. Große schwarze Knopfaugen und spitze Ohren mit einem Puschel darauf. Speedy ist ein Männchen, woher ich das weiß? Keine Ahnung. Ich hatte so den Eindruck. Er verhielt sich so.
Wir trafen uns regelmäßig im Wald, an einer Holzbank, mitten im Wald. Ich gab ihm den Namen Speedy, da er so schnell hin und her huschen konnte. Langsam entwickelte sich Zutrauen zwischen uns. Meine Geduld wurde bald belohnt.
Er kam immer wenn ich auf der Bank saß und bettelte nach Futter. Bald waren wir so vertraut, dass er mir aus der Hand fraß. Später dann setzte er sich sogar auf meine Hand. Das tat er aber nur wenn niemand in der Nähe war. Er blickte immer sichtlich nervös hin und her, wenn er auf meiner Hand saß. Des öfteren knabberte er aber an meiner Hand. Dies deutete ich als Liebesbezeugungen für mich.
Und so wurde er immer zutraulicher, bis er schließlich über meinen Körper lief. Mal über die Arme und mal über die Schultern. Das war ein tolles Gefühl, da er so leicht wie eine Feder war, als man seine Pfoten dabei spürte.
Wenn er übermütig wurde, sprang er auf meinen Kopf, zerzauste meine Frisur und sprang dann wieder auf meine Schulter. Es machte richtig Spaß mit ihm zu spielen. Es kam vor das ich die Verbindung zwischen zwei Bäumen war. Er lief dann von der einen Hand, über meine Schultern, zur anderen Hand und erklomm den Baum.
Es entstand eine richtige Männerfreundschaft. Ab und zu sahen wir uns nur an und taten nichts. Speedy knabberte an einer Nuss und ich ruhte mich aus, von meinem Arbeitstag. Wir redete nicht, das tun Männer in ihrer Freizeit so wie so kaum.
Wenn ich mich auf die Holzbank setzte, hatte ich den Eindruck, dass er schon auf mich wartete. Ich verspürte eine gewisse Ungeduld, wenn ich den Wald betrat und zu unserem Treffpunkt ging. Die Zeit mit Speedy zu verbringen, war ein Teil meines Tagesablaufes geworden. Manchmal beeilte ich mich um schnell dort hinzukommen.
Speedy stellte mir eines Tages seine Familie vor. Sie bestand aus seinem Weibchen und zwei Jungtieren.
Zuerst waren die drei Eichhörnchen sehr vorsichtig und wagten sich nicht zu mir. Aber später waren sie mutiger und kamen auf Berührungsnähe heran. Dann war es soweit und ich konnte ihr Fell berühren. Es war sehr weich und angenehm auf der Haut. Sie setzten sich possierlich auf ihre Hinterpfoten und bewegten die Vorderen. Aber irgendwie konnte ich mit ihnen nicht so spielen, wie mit Speedy.
Dann eines schönen Tages passierte es: Wir trafen wieder einmal zusammen, als ein Jagdhund aus dem Gebüsch hervorsprang. Geistesgegenwärtig griff ich nach den Vieren, ich erwischte sie alle
auf einmal, hob sie hoch und lief zu dem nächsten Baum. Dort setzte ich sie auf einen herunter hängenden Ast und sie flitzten den Baum empor und waren aus meinem Blickfeld entschwunden. Das war das letzte was ich von ihnen sah. Seitdem kamen sie nicht mehr zur Bank und ich muss ohne ihre Gesellschaft bleiben. Sie haben sich wohl nicht von dem Schrecken erholt.
Ich besuche immer noch die Holzbank im Wald, aber keine Spur von den Eichhörnchen habe ich gesehen. Einmal glaubte ich Speedys Puschelkopf zu sehen, aber das war wohl ein Wunschtraum.
Vermutlich verdanken die Eichhörnchen ihren Namen ursprünglich nicht der Eiche oder den Eicheln, sondern dem altdeutschen: aig, was so viel wie „sich schnell bewegen“ bedeutet.
Vielleicht begenest Du ihnen ja einmal. Ich würde mich darüber freuen, wenn Du mir dann von Deinen Erlebnissen mit ihnen berichtest.
>>> Ende <<<
Freundschaft
Es begann an einem schönen Samstagnachmittag. Ich war völlig
fertig. Die Sonne strahlte vom Himmel und ich war müde. Ich ging zur Bucht und lief den Steg entlang bis zum Ende. Vor mir das Wasser. Das Plätschern übte eine beruhigende Wirkung auf mich aus. Ich setzte mich hin und lauschte. Mir war es egal und ich legte mich auf die Bretter und schlief ein. Nur der Wind und die Wellen sangen mir ihr Schlaflied.
Später wachte ich auf, weil man mich mit Wasser bespritzte. Zu erst reagierte ich nicht. Dann wurde die Wassermenge größer und ich spürte das kühle Nass auf meiner Haut. Und dann war da noch so ein klickern, pfeifen und prusten. Das waren Geräusche, die ich hier noch nie ernommen hatte. Ich öffnete die Augen, gerade als ich die nächste Ladung Wasser ins Gesicht bekam.
Ich sah mich um, wo mag der Spaßvogel wohl stecken? Aber es war keiner da. Ich drehte mich zum Wasser und dann sah ich die Bescherung. Ein Delfin, ein grauer, der lugte gerade so aus den Fluten und lachte. Nahm eine nächste Ladung ins Maul und traf mich wieder. Er erhob sich ein wenig aus dem Wasser, wedelte mit seinen Flossen und ließ sich kopfüber zurück ins Wasser fallen.

Mein Kopf war noch nicht wach und ich sagte: > Na warte! <
Hemd, Hose und Schuhe zog ich aus und sprang ins Wasser. Um ihn, ja ich weiß eigentlich nicht, was ich wollte.
Der Delfin erhob sich aus dem Wasser, er stieg bis zur Schwanzflosse auf und bewegte sich dann rückwärts, von mir in tiefere Wasser, fort. Und er schnatterte mich an. Ich glaub’ das nicht.
Der Flipper machte sich über mich lustig.
Ich schwamm zurück zum Steg, kletterte hinauf und sah ihm nach.
Er war übermütig, sprang hier und da aus dem Wasser und schoss
pfeilsschnell vorbei. Dann war er für längere Zeit verschwunden und tauchte vor meinem Steg wieder auf. Er blutete! Beim Toben hatte er sich verletzt. Ein Splitter war in seine Haut geraten. Bestimmt von einer Flasche, dachte ich. Die hat bestimmt ein Betrunkener ins Meer geworfen.
Er gab klägliche Laute von sich und ich hatte Mitleid. Ich sagte er solle nicht wegschwimmen, ich komme gleich wieder.
Im Auto kramte ich nach dem Verbandskasten, nach mehrmaligem Fluchen und Kopfstoßen hatte ich ihn. Ich kehrte zurück und mein Patient war noch da. Den Splitter zog ich vorsichtig heraus .Gott sei Dank, er blutete nicht. Tupfend sprach ich zu dem Delfin, das ich nicht mehr für ihn tun konnte. Er blieb noch eine Weile, seine Wunde verschlechterte sich nicht. Dann schwamm er davon.
Wir trafen uns immer wenn wir Lust dazu hatten.
Bald waren wir so vertraut, dass ich zu ihm ins Wasser springen konnte. Ich berührte seine Haut, die weich und fest war. Manchmal prustete er aus seinem Luftloch am Kopf. Jetzt erkannte ich, das seine Hautfarbe nicht grau sondern blau weiß war. Ich hielt mich an seiner Rückenflosse fest und er schwamm und tauchte mit mir durch die See. Später nahm ich eine Taucherbrille mit und konnte die Unterwasserwelt gut betrachten. Wie ein Pfeil schoss er an mir vorbei, wenn ich einen Ball warf. Er holte ihn und balancierte ihn auf seiner Maulspitze.
Tage später saß ich wieder am Steg und ich weinte! Meine Freundin hatte einen Anderen! Ich hatte sie bei einer Autonummer erwischt. Für mich brach meine Welt zusammen und ich wollte nicht mehr leben. Mein Herz das stach wie verrückt Ich bekam kaum noch Luft.
Der Schmerz übermannte mich und ich nahm meine Umwelt kaum wahr. Ich bemerkte nicht dass mein Freund, der Delfin, gekommen war und mich beobachtete. Heutzutage dürfen wir Männer auch weinen. Bei meinem Vater war das noch anders.
Ich sah so auf den Brettern, da er an und machte ganz komische Geräusche. Er schwang sich aus dem Wasser und rutschte auf mich zu. Stupste mich mit seinem Maul an und klickerte. Ich war gerührt.
Ich schlang meine Arme um seinen Kopf und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. Der Delfin zog sich ins Wasser zurück. Dann schoss er noch einmal zu mir und stupste mich wieder an.
> Wie lange trefft ihr euch schon? < fragte eine Frauenstimme von hinten.
> Eine ganze Weile schon. < antwortete ich.
> Weißt Du woher der Delfin kommt? <
> Nein, keine Ahnung woher er kommt. <
> Er ist eine sie und eine ganz hübsche <
Ich drehte mich mit meinen verweinten Augen um und sah eine Junge Frau, so Anfang zwanzig. Sie wirkte sympathisch auf mich.
Besonders ihre Stimme. Sie stellte sich vor. Sie war Meeresbiologin und hatte gerade ihr Studium beendet. Und suchte jede Gelegenheit um Fische, Säuger und das Meer zu studieren.
> Woher weißt Du vom Delfin? < fragte ich sie. Sie lächelte mich an, war ihre Haare mit einer lässigen Handbewegung nach hinten
und antwortete:
> Ich habe Dich im Meerwasseraquarium gesehen. Dort hast Du Dich nach Delfinen erkundigt. Du hast Dich so verhalten, das ich neugierig wurde. Ich folgte Dir und den Rest kennst Du ja. <
Inzwischen schwamm der Delfin zu uns an den Steg und beäugte uns eine Weile. Und verschwand dann in der Bucht.
Die Meeresbiologin führte mich in den Umgang mit Meeressäugern ein. Sie zeigte mir Dressuren und Vorführungen mit Seelöwen, Robben, Orkas und Delfinen. Alles Anhand von DVD’s.
Wir beschlossen den Delfin mehr Aufgaben zu geben.
Beim nächsten Mal auf den Steg, standen zwei 10 Liter Eimer mit Fisch da. Wir wollten Kunststücke einüben. Und Sana war sehr aufgeregt und machte mit. Wir nannten den Delfin Sana, das schoss uns so in den Kopf.
Der Fisch brachte großen Erfolg bei Sana. Sie erlernte schnell unsere Kunststücke und bald hätten wir eine Vorstellung geben können. Wie bei den Vorstellungen in den Vergnügungsparks, konnte Sana viel. Wir kamen auf die Idee, eine Spende für ein Aquarium oder Tierpark, eine Vorstellung, hier an der Bucht, zu geben. Den Eintrittspreis und den Erlös von Kaffee und Kuchen, wollten wir spenden.
Sana übertraf sich selbst. Wir waren sehr begeistert von ihr. Die Kunststücke kennt Ihr ja, und wenn nicht müsst Ihr hier zu uns in die Bucht kommen, dann könnt Ihr sie sehen.
Sana blieb in der Bucht und wir konnten unsere Freundschaft weiter pflegen. Dann eines Tages kam sie wieder angeschwommen, ganz aufgeregt. Ich hatte sie lange nicht mehr gesehen. Und sie kam nicht allein! Sie brachte ihren Nachwuchs mit und den Vater.
Die Meeresbiologin, die übrigens Sophie hieß, konnte ihre Studien weiterführen. Für ihre Doktorarbeit war das genau das Richtige. Eine Delfinfamilie zu beobachten.
Die Erlebnisse mit den Drei erzähle ich ein anderes Mal. Die Freundschaft war eine meiner schönsten Ereignisse in meinem Leben.
Na, ja und Sophie, die habe ich geheiratet. Wir gründeten eine Familie, so wie Sana. Nachdem sie ihren Doktortitel bekam. Wir leben hier an der Bucht und sind dem Meer sehr nahe. Wir fahren mit dem Boot in die Bucht hinaus und treffen viele Freunde, aber es gibt nur eine Freundschaft, die so einzigartig ist!
>>> Ende <<<