Safari – Wimbo Wap
Spätnachmittag in Afrika. Die Sonne begann langsam unterzugehen und die afrikanischen Expeditionshelfer beeilten sich das Lager aufzustellen. Denn in dieser Gegend wird es schnell dunkel und das lockte viele unliebsame Tiere an. Die Zelte standen und es wurde ein großes Lagerfeuer angezündet. Das Licht der Flammen schien weit hinaus in die Savanne und über das Wasserloch.
Alle Expeditionsteilnehmer nahmen um der Feuerstelle Platz. Die afrikanischen Helfer holten Ihre Trommeln hervor und begannen zu musizieren. Zu den Trommeln erklang ein Männergesang. Dann nach ein paar Minuten wurden die Afrikaner leise und man hörte den Schlag der Trommeln sehr verhalten. Man lauschte nur einem klack, klack, dum, dum! Nun erschien der afrikanische Expeditionsführer und erzählte die Sage von Simba, dem weißen Löwen. Alle hörten gebannt seinen Worten, die er mit einer sehr tiefen Stimme in gebrochenem englisch sprach, zu. Die Sage von Simba wird überall in Afrika erzählt, aber in verschiedenen Versionen. Deswegen verzichtet der Erzähler auf die Geschichte. Es würde den Rahmen sprengen.
Wie auf ein Zeichen begann ein Teil der Trommler zu klatschen. Zwei mal. Dann antworteten die restlichen Trommler mit einem Beat auf ihrer Trommel. Das wurde ständig wiederholt. Bis der Rhythmus die Europäer gefangen nahm und sie mitklatschten oder mitschnippten.
Nun ertönte ein tiefes Womm von den Bassstimmen. Die Stimmen schalten durch das ganze Camp. Auch dieses wurde von den Männern der europäischen Expeditionsteilnehmer aufgegriffen. Dann anschließend wurde für die tieferen Frauenstimmen ( Alt ),ein Wimbo Oee angestimmt. Auch dieses wurde freudig angenommen und beide Stimmen wurden so lange geprobt bis sie perfekt klangen.
Und das Lagerfeuer prasselte unaufhörlich dazu. Funken flogen und das Holz knisterte und knackte. Es war eine erwähnenswerte Idylle. Man hörte leise das Zirpen der Grillen.
Jetzt wurde ein Awimbo Wap angestimmt, wieder eine Frauenstimme ( Sopran ). Auch das wurde geprobt. Anschließend sang der Expeditionsführer den Text zu dem Song. Und immer wenn das Womm/Wimbo Oee und Wimbo Wap erklang, erhob sich einer der Afrikaner und sang mit einer hellen Sopranstimme ein Awii lalala... dazu.
So verging eine Stunde und dann wurden noch andere afrikanische Musik vorgetragen. In der Zeit brannte das Feuer langsam aber stetig herunter, bis nur noch ein paar rotglühende Scheite übrig blieben. Es wurde Wein und Bier getrunken, kein hochprozentiger Alkohol. Da bei der Wärme, der Alkohol stärker anschlagen würde, als gewohnt. Nach und nach zogen sich die Europäer in ihre Zelte zurück. Ein paar wilde Tiere schlichen um das Lager herum, ohne einzudringen. Man hörte aber ihr bedrohend wirkendes Knurren und Grollen. Der laue Wind versprach keine Kühlung. Es war in der Nacht noch ziemlich warm. Morgen wird wohl ein sehr heißer Tag werden.
Die Afrikaner waren zufrieden, sie hatten ihre traditionelle Musik den Weißen nahegebracht. Es waren zum Teil auch 17 Takter dabei. So etwas gab es in der europäischen Musik nicht.
Es war ein Teil ihrer Kultur. Am nächsten Abend der Expedition würden sie dann unter Anderem traditionelle Tänze darbieten.
Am nächsten Morgen fuhr der Konvoi sehr früh los. Es lohnte sich. Eine Vielzahl von Tieren wurde fotografiert. In freier Natur. Und am Abend, als das Camp aufgebaut war ... Schlug die Trommel... Awii ! ...
>>> Ende <<<
Fredi
Wieder ist ein Polizeiwagen zum Waisenhaus gekommen. Wieder ist ein Jugendlicher gebracht worden. Und wieder sagen die Polizisten, dass bei dem Jungen Hopfen und Malz verloren sei.
Der Leiter beobachtete den Jungen und sah dann eine Frau an: > Das ist er!< > Meinst Du wirklich? < fragte seine Frau. Er nickte:
Ganz bestimmt, lass mich nur machen. <
Er nahm sich Ferdinand, so hieß der Junge, zur Seite.
Inzwischen sprach die Polizei mit seiner Frau.
> Der Junge ist nicht gewalttätig, er ist eher sehr ruhig. Nur wenn er wütend wird, dann haut er schon mal mit der Faust auf den Tisch. Und er schreit dann herum. Aber, wie heißt es: bellende Hunde beißen nicht. <
Der Polizist rückte seine Mütze zurecht und verließ das Waisenhaus.
Wie heiß du? < fragte der Waisenhausleiter. > Ferdinand < war die karge Antwort. > Na, gut, Ferdinand. Ich werde dir jetzt das Haus zeigen und dir unsere Regeln erklären. <
Die Beiden gingen das Haus besichtigen. Anschließend erreichten sie den Essenssaal zum Abendbrot. Ferdinand war ihm wortlos gefolgt.
In dem Essenssaal saßen ca. 18 Kinder verschiedenen Alters. Es ging lustig zu. Hier und da wurde ein Spaß gemacht, worüber die Kinder lachten. Man aß langsam und genüsslich, als ein gerade 9 jähriges Mädchen aufstand und sich noch Belag für ihr Brot holen wollte.
Dabei stieß sie die Teekanne von Tisch. Schlagartig wurde es ruhig im Raum und alle sahen auf den Heimleiter.
Doch ehe er etwas sagen konnte, stand Ferdinand auf und ging zu dem Mädchen, welches angsterfüllt dastand. Er sagte: > ist doch nicht so schlimm, das wischen wir wieder auf und die Kanne kann man ersetzten. < Das Mädchen entspannte sich und zeigte ihm die Besenkammer mit dem Feudeleimer. Sie reinigten den Boden und holten eine neue Teekanne.
Ingrid, die Frau vom Heimleiter, sagte: > Das hätte ich nicht gedacht. Ich glaube Du hast mal wieder Recht, Thomas. Er könnte der Richtige sein. < Thomas nickte lächelnd.
Alle hatten wieder ihren Spaß nach dem Vorfall und die jüngeren Kinder gingen zu Bett.
Als Ferdinand das sah, kratzte er sich im Nacken und rieb seine Hand am Kinn hin und her. Dann setzte er sich in den Aufenthalts- raum und spielte mit ein paar Teenagern Tabu und Scharade. So hatte er sich lange nicht mehr vergnügt. Als er müde war, ging er zu Bett. Er hatte ein Einzelzimmer, das kannte er überhaupt nicht. Ein richtiger Luxus für ihn. Bevor er einschlief dachte er noch über das nach, was ihm die Teenies über Ingrid und Thomas berichtet hatten.
Am nächsten Morgen stand Thomas früher als gewohnt auf. Sein Handy hatte geklingelt. Ingrid war verwundert. Sie gingen, wie gewohnt, den Frühstücksraum einzudecken. Als sie dort ankamen, war das schon erledigt.
Daraufhin gingen sie gemeinsam ins Büro. Die Unterlagen waren durchwühlt worden und der Deckel der Tageskasse stand offen. Ingrid prüfte: < es fehlen 20 Euro > war ihr einziger Kommentar.
Sie gingen zu Ferdinands Zimmer und sahen hinein. Es war leer!
>Ich glaube, Du hast Dich doch geirrt! < > Warten wir es ab < entgegnete Thomas.
Sie gingen zum Frühstück. Im Flur rochen sie Kaffee und Tee. Und auch Kakao! Sie sahen sich verwundert an und traten ein.
Ferdinand verteilte gerade die Brötchen auf jedem Tisch. Ingrid klappte die Kinnlade herunter und Thomas grinste von einem Ohr zum anderen. > Woher wusstest Du? < fragte sie.
> Ich habe eine Vereinbarung mit dem Bäcker. Wenn jemand Unbekannter kommt, soll er mich anrufen. Erst recht, wenn er auch bezahlen will. Wir rechnen monatlich die Menge ab, aber das weiß derjenige nicht. Aus diesem Grund bin ich heute früher aufgestanden als sonst. Der Bäcker rief mich auf dem Handy an. Und ich war gespannt, was heute Morgen alles passieren wird. Schau’n wir mal!<
Sie setzten sich und beobachteten Ferdinand. Dieser verteilte gerade Kerzen auf die Frühstückstische. Er erwartete die Heiminsassen.
Nach und nach trafen die Kinder ein. Sie scherzten und lachten, dann setzten sie sich auf ihre Plätze. Als alle anwesend waren, erhob sich Ferdinand: > Hallo Kinder, ihr kennt mich noch nicht. Ich heiße Ferdinand und habe heute beim Frühstück etwas Besonderes mit Euch vor. Zuerst aber habe ich eine Frage, kennt Ihr Euch mit Feuer b.z.w. Kerzen aus? < Ein lautes Ja! > war die Antwort. > Okay, wenn alles klappt, stelle ich Euch mein Erdhörnchen Hugo vor.
Aber Ihr müsst dann sehr leise sein, denn Hugo ist sehr scheu und geräuschempfindlich. < Die Kinder waren ganz gespannt.
Das Frühstück verlief ohne besondere Vorfälle, das war schon ein bisschen ungewöhnlich. Ingrid und Thomas waren sehr entspannt und genossen die freie Zeit.
Dann stand Ferdinand auf: > löscht bitte die Kerzen, aber seid vorsichtig! Die Kinder waren es. Und Ferdinand ging aus dem Raum. Es wurde Mucksmäuschen still im Raum. Alle sahen zur Tür und warteten. Sie öffnete sich, alles hielt den Atem an und Ferdinand trat herein. In seiner Armbeuge bewegte sich ein hellbraunes Etwas mit schwarzen Kulleraugen. Es war das Erdhörnchen Hugo!
Es hob den Kopf ein wenig und rutschte auf seinem Arm hin und her. Dann erzitterte es, beruhigte sich aber wieder, bewegte seine kleinen Pfoten und sah zu den Kindern herüber. Es wuselte in der Beuge hinauf und herunter. Es sah immer wieder zu den Anwesenden. Der kleine Kopf wendete sich immer wieder und blieb nicht still. Es war so still im Raum, so dass man das Stuhlrücken und Tellerklappern hören konnte. Hugo zitterte ein bisschen, blieb aber auf dem Arm von Ferdinand.
Ingrid war fasziniert: > Hugo ist aber gut trainiert < Thomas drehte seinen Kopf zu ihr: > er ist gut, er ist sehr gut! Das hat er gut erlernt, das Stofftier mit seinen Händen zu führen, es sieht wirklich real aus.< Ingrid war sehr erstaunt: > Woher wei0t Du das < fragte sie.
< in meiner Ausbildung hatten wir ein ähnliches Stofftier und für den Einen oder Anderen war es schwierig, es lebendig aussehen zu lassen. < Wieder grinste Thomas.
Nach ein paar Minuten wurde Hugo wieder fortgebracht.
Ferdinand betrat den Raum und rief: > wer hat Lust draußen Brennball zu spielen? > Fast alle wollten gerade aufspringen, da: > Erst wird ab- und aufgeräumt! < lächelte Ferdinand.
Die Kinder taten es und schnurstracks waren alle draußen.
Thomas und Ingrid brauchten nur noch die Stühle an die Tische stellen und auszufegen.
Vom Sportplatz war ein Gejohle zu hören. Thomas setzte sich auf die Bank, die neben der Tür stand und holte seine Pfeife aus der Tasche. Stopfte sie mit Tabak, mit dem Pfeifengeschirr drückte er den Tabak, griff in die selbe Tasche von eben, holte die Streichholzschachtel hervor, öffnete diese, zog einen Streichholz heraus, rieb an der Reibe und zündete sich den Shag an.
Genussvoll blies er den Rauch in die Luft, während er das Treiben der Kinder beobachtete. Es war lange her, dass ihm die Pfeife schmeckte. Nun war es wieder einmal soweit.
Wohin, des Weges Fremder? < fragte er humorvoll den Jungen, der just in die Tür laufen wollte. > Ich muss mal! < > Dann grüß schön! < alberte Thomas weiter.
Ingrid setzte sich zu ihm und holte ihr Strickzeug aus dem Kopf und begann zu stricken. > endlich einmal ein freier Vormittag < Du sagst es < antwortete Thomas.
Der Vormittag neigte sich dem Ende zu und die Kinder kamen vom Sportplatz zurück. Ferdinand sagte, dass sie ihre Schuhe vor dem Eingang ausziehen sollten und dann das Haus betreten könnten. Alle folgten ihm willig. In der Halle fragte Ferdinand: > was haltet Ihr davon, wenn wir heute selber in der Küche kochen? < Wieder waren alle begeistert und belagerten die Küche.
> Ich glaube wir haben heute den ganzen Tag frei < sagte Ingrid. > Schön < erwiderte Thomas.
Aus der Küche hörte man Geschirrklappern und Stimmengewirr. Langsam zog Essensduft durch das Haus. Der Frühstücksraum wurde gedeckt und schon bald wurde gegessen. Danach ging jeder seinen Interessen nach.
Thomas holte Ferdinand zum Gespräch. Sie setzten sich ins Büro, Ingrid war gleichfalls anwesend.
> Du bist mir aufgefallen, Ferdinand. Ich glaube, Du könntest mein Assistent werden. Dann brauchst Du Dich nicht um einen Ausbildungsplatz und eine Wohnung kümmern. Wichtige behördliche Anweisungen sprechen wir ab und sonst hast Du frei Hand. Was meinst Du ? Ferdinand blickte von Thomas zu Ingrid und sagte: „ Nennt mich Fredi. Wann kann es losgehen?“ > Von mir aus sofort < Ferdinand sprang auf, stoppte, holte den zwanzig Euroschein hervor; verließ wortlos das Büro und ging in den Aufenthaltsraum, um seine Arbeit zu planen.
> Woher hasst Du diese Menschenkenntnis, Thomas? Das bewundre ich an Dir. Wie kannst Du das nur erahnen?
Thomas lächelte bescheiden und erwiderte: > Er ist genauso wie ich es war. Auch Du wirst das erlernen. Es ergibt sich durch den Umgang und den Situationen mit den Kindern, so erfährt man vieles über die Psyche. <
Wenig später kam Fredi zurück und legte den Beiden sein Konzept vor. Man beschloss sofort am Sonntagmorgenfrühstück, den Vorschlag von Ferdinand vorzustellen.
Der Sonntagmorgen kam und alle saßen beim Frühstück, als Fredi sich erhob und erklärte: >Ich habe einen Vorschlag, der Euch interessieren wird. Was haltet Ihr davon, wenn wir Sonntagnachmittags einen Vorführnachmittag einrichten? Jeder der Lust hat,
kann das Vorführen was er will. Wir werden ein Gremium bestimmen, das Vorschläge und Beurteilungen aussprechen wird. Keiner wird ausgelacht und es wird nur konstruktive Kritik erteilt. Jeder wird persönlich Wertgeschätzt. Das kann riesigen Spaß machen und wir haben eine gute Unterhaltung. Was meint Ihr dazu?<
Es begann ein tosender Beifall und man beratschlagte wie viele und wer im Gremium sein könnte. Auch die Statuten und Regeln wurden erörtert. Schließlich suchten alle einen großen Raum aus, der den Anforderungen entsprach. Der Frühstücks –und der Aufenthaltsraum kamen nicht in Frage. Man einigte sich, die Sporthalle umzubauen, weil dort am meisten Platz für alles war.
Alle waren gespannt, die einen auf die Vorführungen, die Anderen auf die Beurteilungen, die Nächsten auf die Zuschauer und die Leitung, ob das Konzept von Ferdinand aufgehen würde.
Ferdinands Idee war ein voller Erfolg. Man hatte viel Spaß zusammen. So konnte jeder sich auf seinen Berufswunsch vorbereiten. Oder was er als Hobby treiben wollte. Der Eine war Stand-up Comedy, der Nächste Tänzer, ein Anderer Sänger oder auch Anwalt, Ingenieur; Architekt oder Handwerker.
Ingrid ging nach Fredis Erfolg bei den Kindern, auf ihn zu und fragte: < Ferdinand, ich wollte immer einen Sohn haben, das ist mir aber vergönnt geblieben. Ich möchte Dich am Liebsten adoptieren. Was hältst Du davon? <
Sag einfach Fredi zu mir, Mom. < Sie umarmten einander. Thomas legte ihm die Hand auf die Schulter und fragte: > Fredi, kennst Du A.S. Neil? < > Nein < >Oder das Projekt Summerhill? < > Nein, das kenne ich ebenso nicht. < > Dann gebe ich Dir die Lektüre und wir sprechen anschließend, wenn Du das gelesen hast, darüber. Mal sehen, was Dir daraus bekannt vorkommt. <
Sie gingen Tee und Kaffee trinken.
Die Drei waren ein gutes Team. Später in ihren Unterlagen konnte man erlesen, dass ihre Erfolgsquote um 26 % höher lag, als bei anderen Einrichtungen. Aus ihrer Einrichtung liefen nur 1% der Insassen weg. Die Behörde stockte die Anzahl der Insassen von 20 über 50, dann 100 bis 150 Kinder auf. Aber auch damit wurden die Drei fertig.
Was die Drei in ihrer Einrichtung für Änderungen einführten, steht auf einem anderen Blatt. Wenn der Leser neugierig wird, könnte ich ja mal nachschauen wo darüber berichtet wird.
Oder fragen wir Fredi!
>>> Ende <<<